Das Fachmagazin „Der Weinbau“ wurde nach 3 Jahrzehnten digitalisiert. Unser Fokus wandert von den Printausgaben zu einem fast tagesaktuellen Online System. Aber nicht zur Gänze. Einmal pro Jahr erscheint der Jahresalmanach – Der Weinbau Österreich. Ein Rückblick mit Auswertung der aktuellen Jahresentwicklung und mit vielen Autoren, die einen analytischen Blick in die Entwicklung setzen.
Im Großen und Ganzen ist das Weinland Österreich in der Momentaufnahme nicht schlecht aufgestellt. In der Durchschnittsqualität sind wir Weltmeister. Wenn Sie sich einmal in Frankreich den üblichen 5 Liter Rotwein in der Trafik kaufen hätte unsere Kellereiinspektion da eine Aufgabe. Die US Retortenweine und was die Masse der Spanier konsumiert würde uns dem Wein entwöhnen. Diese Sicht zeigt sich bei normalen Tourismusreisen. Dass es in allen Ländern Top-Weine gibt steht außer Frage, aber der Durchschnitt des Alltags ist bei Weinfachreisen nicht erkennbar, für den Touristen sehr wohl. Wem ist schon bekannt, dass in Australien der 5 Liter Plastikweinbehälter der Standard ist. Es gibt nur ein Land neben Österreich, das gleich oder höher im Durchschnitt liegt – das ist Neusseland.
Aber es gibt neue Herausforderungen.Welche Betriebsgröße soll das Ziel sein,welche Maßnahmen sichern die Existenz. Ist der Supermarkt die ideale Verkaufsstruktur oder eine Versklavung? Ist das sich in der Krise explosiv entwickelte Online-Geschäft haltbar und erweiterbar? Der Besatz – die Sortenschwerpunkte für die Zukunft? Die im Raum stehenden vom leichtem Irrsinn gezeichneten Maßnahmen – dass man z.B. den Wein als mit Wasser verdünntes Getränk herstellen und verkaufen kann?
Wäre es nicht klug das österreichische Weingesetz nachzuschärfen, um dadurch unseren Wein gegenüber dem Rest der Welt hart abzugrenzen? Denn der technische Wein aus Spinning Colums mit Refraktion und vollem chemischen Einsatz gibt es und er wird mehr. Die Krise führte zu legitimen Versuchen mit Rabatten doch noch etwas Wein zu verkaufen. Deshalb liegen oftmals die Endpreise unter den Herstellungskosten. Wie kommt man zurück zur betriebswirtschaftlichen Vernunft? Was darf ein Wein kosten? Welchen Wert stellt er dar? Das Pakerl Marlboro Zigaretten kostet Euro 5,80 der Liter Diesel kostet wie auch der Tetrapackwein Euro 1,20 – da stimmen die Relationen nicht. Wie kann das im Bewusstsein der Konsumenten verankert werden?
Auch wir müssen uns verändern. Die Krise hat uns und auch mich voll getroffen. Inserenten und Abonnenten sind die Grundlagen, dass es „Der Weinbau“ seit 30 Jahren gibt. Nur wer soll inserieren, wenn der Markt still steht. Deshalb wird ab jetzt der Fokus auf Online gesetzt mit nur mehr wenigen Printausgaben, um weiterhin in offener Redaktion über alle Belange zu diskutieren. Der nötige Mut dazu, der ist da und bleibt bestehen.
AUTOR: © Prof. Ali Meyer
| IN VINO VERITAS
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